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Olympiade: Nackte Männer in Rom

Das FORO MUSSOLINI ist eine totalitäre Neuerfindung des öffentli-chen Raumes zur Olympiade. Nackte Männer in Rom im Dienste der Macht

Das Foro Italico hieß früher Foro Mussolini. Es ist ein monumentaler, 1928 bis 1938 erbauter Sportststättenkomplex in Rom, der zunächst der Jugendorganisation des faschistischen Regimes, der Opera Nazionale Balilla diente. Hier wird der Neoklssizismus butig ernst genommen.

Eine Olympiade fand auf dem Foro Mussolini erst 1960 statt. Da hieß das Forum längst Foro Italico.

Der Klassizismus der russischen Neoklassizisten dagegen, in der bildenden Kunst ebenso wie in der Musik (Strawinskij, Prokowiew), schwingt sich im Gegensatz zum italienischen Neoklassizismus meist zu formalistischer Ironie auf. Der russische Neoklassizismus findet in Wiktor Sklowskij einen Theoretiker, dessen Thesen immer vor dem Hintergrund der politischen Machtverhältnisse interpretiert und in Beziehung zu Italien gesetzt werden sollten. Der Neoklassizismus sollte als europäisches Phänomen in der Zeit der Totalitarismen gedeutet werden, von denen es sich ggf. durch Ironie und metaphysische Überhöhung (de Chirico) abzugrenzen vermochte.

Anders war es in Rom beim Foto Mussolini. Nackte Männer standen hier für den Faschismus. Aber darin erschöpfen sie sich nicht.

Der italienische und europäische Neoklassizismus sollte ferner stets in den historischen Kontext der Klassizismen und Neoklassizismen der europäischen Tradition gestellt, gegen Klassik und Klassizismus abgegrenzt und seine Beziehung zur Antike ebenso kritisch betrachtet werden wie sein Verhältnis zum Rinascimento und den Klassizismen des achtzehnten und neunzehnten Jahrhunderts. Der Klassizismus anderer Länder und Künste sollte dabei ebenso in Betracht gezogen werden wie der Neoklassizismus in der Kunsttheorie. So stellt sich nämlich heraus, dass die Klassizismen stets durch ihre Nähe zur politischen Befehlsgewalt definiert sind, der moderne Neoklassizismus darüber hinaus jedoch als ein Dispositiv konstruiert ist, mit dem die Kunst möglichst restlos in die Verfügungsgewalt der Macht gestellt werden soll, sei es als totalitäre Politik, sei es als totalitärer Konsumismus.

Neoklassizismus führt sich am Foro Mussolini selbst ad absurdum

Am Beispiel des FORO MUSSOLINI kann demonstriert werden, wie im modernen Neoklassizismus die erst gegen Ende des neunzehnten Jahrhunderts wieder aufgekommene Popularität des Athleten pseudo-historisch überblendet wird und sich dadurch vom Klassizismus alter Ordnung durchschlagend unterscheidet. Während die Propagandisten des Neoklassizismus die meisten Erscheinungsformen der modernen Kunst als »entartet« diffamierten, führten sie mit ihren hyperbolisch aufgeblasenen Atlethenfiguren, die ans Phantastische ebenso grenzen wie an die Dynamik des Neobarock, ihre eigenen neoklassizistischen Absichten ad absurdum.

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