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Ein Bandscheibenvorfall ist ein Austritt des Gallertkernes (Nucleus pulposus), der in der Mitte der Bandscheibe liegt und normalerweise von einem Faserring (Anulus fibrosus) umgeben ist. Der Austritt kann nach hinten in den Rückenmarkskanal (Spinalkanal) oder zur Seite in Richtung Nervenwurzel (Radix) erfolgen. Durch die Einengung des Nervenaustrittskanals kann es zu ausstrahlenden Schmerzen, Sensibilitätsstörungen und Lähmungen kommen. Bandscheibenvorfälle sind bevorzugt in der Lendenwirbelsäule (LWS) lokalisiert, seltener in der Brustwirbelsäule (BWS) und Halswirbelsäule (HWS).
Bandscheibenvorfälle sind sehr häufig. Mehr als 50% aller Menschen, die im MRT untersucht wurden, haben eine Bandscheibenvorwölbung (Protusio), die eine Vorstufe eines Vorfalls ist und oft asymptomatisch entsteht. Bei 27% wurde ein Bandscheibenvorfall (Nucleus pulposus prolaps/NPP) diagnostiziert, der aber auch unbemerkt blieb. Bei 38% der Menschen zeigen sich diese Bandscheibenveränderungen bei mehreren Bandscheibenfächern. Und nur 33% der Untersuchten hatten tatsächlich Rückenbeschwerden, was klar verdeutlicht, dass der radiologische Befund mit dem Beschwerdebild in Einklang gebracht werden muss. Der Gipfel der Altersverteilung dieser Erkrankung liegt zwischen dem 30en und 50en für die LWS und bei der HWS zwischen dem 40en und 60en Lebensjahr.

Die Ursache für Häufung von Bandscheibenvorfällen mit zunehmendem Alter ist die Abnahme des Wassergehalts der Bandscheibe, auf diese Weise verliert sie an Elastizität. Bei weiter fortschreitendem Wasserverlust wird der Nucleus pulposus wieder dickflüssiger und somit die Wahrscheinlichkeit eines Bandscheibenvorfalls wieder kleiner, was die typischen Altersverteilung dieser Erkrankung erklärt. Ungünstige Haltung kann auch einen entscheidenden Faktor darstellen für die Entstehung eines NPP. Dabei erweisen sich das Heben aus dem Stand und das Sitzen mit gebeugtem Oberkörper als die ungünstigsten Haltungen. Der Gallertkern kann sowohl plötzlich durch eine unvorteilhafte Bewegung herausgedrückt werden oder auch allmählich aus dem Zwischenwirbelfach hinaus gleiten. Weitere Prädilektionsfaktoren für die Entstehung des NPP sind außerdem Fettleibigkeit (Adipositas) und Schwangerschaft.
Bei den Bandscheibenveränderungen unterscheidet man zwischen einer Bandscheibenvorwölbung, bei der es noch nicht zu einer Durchbrechung des Faserrings gekommen ist, dann dem eigentlichen Bandscheibenvorfall, bei dem der Faserring durchbrochen wurde und einer Sequestration, bei dem der Gallertkern keine Verbindung zur eigentlichen Bandscheibe mehr besitzt.
Wie schon beschrieben muss ein Bandscheibenvorfall nicht immer Symptome aufweisen, aber je nach Lokalisation können die Symptome vielfältig sein.
Bei Druck gegen eine Nervenwurzel entstehen intensive Schmerzen, die meistens in Beine oder Arme ausstrahlen. Zusätzlich können auch Gefühlsstörungen (Sensibilitätsstörungen) auftreten, in Form von Taubheit, Ameisenlaufen oder Kribbelgefühlen. Im schlimmsten Fall kann eine Muskelkraftminderung bis hin zur Muskellähmung eintreten. Die Symptome bei Druck gegen das Rückenmark kommt es auf die Höhenlokalisation des Bandscheibenvorfalles an. Vorfälle in der Lendenwirbelsäule zeigen sich mit Blasenlähmungen und Lähmungen der Beinmuskulatur. Bei Druck gegen Nervenfaserbündel in der unteren LWS, dem so genannten Pferdeschweif (Cauda equina) zeigen sich wiederrum Probleme bei der Blasen- und Mastdarmfunktion, Sensibilitätsstörungen im analen, genitalen Bereich und der der Oberschenkelinnenseite und bis hin zu einer Lähmung der Beine.
Die Diagnose eines Bandscheibenvorfalls erfordert eine genaue neurologische Untersuchung, die Sensibilität, Muskelkraft und Reflexe beurteilt. Danach kann zusätzlich die Nervenleitgeschwindigkeit gemessen werden um die Betroffenheit des Nervs zu beurteilen. In den meisten Fällen wird zu Anfang ein konventionelles Röntgenbild angefertigt um knöcherne Strukturen als Ursache der Symptome ausschließen zu können. Weiterhin kann eine Computertomographie (CT) und/oder Magnetresonanztomographie (MRT) durchgeführt werden. Besonders in der MRT lassen sich bindegewebige Strukturen wie die Bandscheibe gut beurteilen. Eine Myelographie ist eine Spezialuntersuchung bei der Kontrastmittel in den Liquorraum gespritzt und danach ein Röntgen oder eine Computertomographie von dem Wirbelkanal angefertigt wird. Dabei können indirekt Verengungen des Spinalkanals erkannt werden, da an dieser Stelle ein Kontrastmittelabbruch vorliegt.
Die Therapie von Bandscheibenvorfällen gliedert sich in die konservative und operative Therapie. Der Versuch der konservativen Therapie sollte in den meisten Fällen versucht werden. Dazu wird zunächst Bettruhe mittels Stufenbett verordnet oder bei Bandscheibenvorfällen in der HWS eine Halsmanschette angelegt. Die medikamentöse Therapie gliedert sich in die Schmerztherapie mittels NSAR wie Aspirin, Ibuprofen, Voltaren oder Cox2-Hemmer und antientzündliche und abschwellende Therapie in Form von Korticosteroiden (Kortison). Darüber hinaus können Muskelrelaxantien wie Tetrazepam verabreicht werden, die muskelentspannende Wirkung besitzen. Oft werden zusätzlich Antidepressiva oder Antikonvulsiva verabreicht, die die Schmerzgrenze herabsetzten können. Bei besonders starken und bei chronischen Schmerzen werden Schmerzmittel wie Opiate / Opioide eingesetzt. Weiterhin kann mittels Krankengymnastik und Physiotherapie eine verbesserte muskuläre Situation geschaffen werden. Eine etwas invasivere Therapie stellt die peridurale Infiltration (PDI) oder periradiküläre Therapie (PRT) dar. Dabei wird unter coputertomografischer Kontrolle eine Injektionskanüle in die Nähe der betroffenen Nervenwurzel eingebracht und ein Gemisch aus schmerzstillenden (Lokalanästhetika) und antientzündlichen (Kortison) Medikamenten hineingespritzt. Auf diese Weise wird nicht nur der Schmerz gestillt sondern auch die Nervenwurzel beruhigt und abgeschwollen. Die Indikation zur Operation sollte zurückhaltend gestellt werden. Eindeutige Indikationen sind große Bandscheibenvorfälle (Massenprolaps) die mittig in den Rückenmarkskanal einbrechen und Lähmungen verursachen. Eine relative Indikation besteht bei Versagen der konservativen Therapie mit Persistenz der Schmerzen. Dazu gibt es verschiedene Verfahren, wie die minimalinvasive chemische Verflüssigung der Bandscheibe (Chemonukleose), die Laserabtragung der Bandscheibe und microchirurgische Operationsverfahren. Schwerere Bandscheibenvorfälle werden mit der konventionellen offenen Chirurgie behandelt, da dabei über mehrere Wirbelsäulenetagen die Nervenwurzeln dargestellt werden müssen. Immer öfter werden auch Bandscheibenprothesen eingesetzt, die die Funktion der Bandscheiben imitieren sollen. Nach der Operation entsteht Nervengewebe und je nach Individuum kann diese Narbenbildung so stark sein, dass der Schmerz und andere Symptome in ähnlicher Weise wiederkehren (Postnukleotomiesyndrom). Die beste Prophylaxe gegen einen wiederholten Bandscheibenvorfall ist die Kräftigung der Rückenmuskultur und Verbesserung der Haltung mittels Rückenschule.
Gute Besserung wünschen
Ihr
Dr. Marc Jungermann
und
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Kommentare
Hans [Gast]
Schönes Online Kompendium dazu hab ich hier gefunden http://rueckenschmerzenhilfe.com/bandscheinbenvorfall-symptome-behandlung-therapie-1/