Gesellschaft

rating
0 Bewertungen

Wann eine Professur ohne Promotion möglich ist

In Deutschland und anderen europäischen Ländern wie Österreich ist es möglich, dass der Titel des Professors vergeben werden kann auch ohne Promotion. Dieses ist beispielsweise bei Künstlern üblich.

professur ohne promotion
© jobhopper - Fotolia.com
In Deutschland ist der Begriff "Professor" für die Inhaber einer Professur oder einer Dozentur vorgesehen und auch eine Amtsbezeichnung. Damit wird eine Abgrenzung des Professors beispielsweise zum Doktor vorgenommen, der lediglich einen akademischen Grad darstellt. Professoren führen an Hochschulen den Forschungs- und Lehrbetrieb auf eigenständige Art und Weise und besetzen dort einen Lehrstuhl, der jedoch nicht mit der Professur verbunden sein muss. Somit sind auch Professoren denkbar, die keinen Lehrstuhl innehaben. Wenn bestimmte Bedingungen vorliegen, kann der Titel eines Professors auch an solche Personen verliehen werden, die keine Professur bekleiden.

Nach dem Paragrafen 85 des Hessischen Hochschulgesetzes beispielsweise ist die Vergabe des Titels durch die Hochschule an Personen vorgesehen, die sich durch besondere Leistungen ausgezeichnet haben in Bezug auf die Entwicklung oder die Anwendung wissenschaftlicher Erkenntnisse. Diese Leistungen müssen nicht an einer Universität erbracht worden sein, sondern können in der beruflichen oder künstlerischen Praxis der Person erfolgt sein. Diesen Personen kann in Übereinstimmung mit dem Gesetz eine Honorarprofessur übertragen werden, die dann zu der Führung der akademischen Bezeichnung Professor berechtigt. Das Gesetz räumt damit die Möglichkeit ein, dass Professuren auch ohne Promotionen erreicht werden können.

In diesen Fällen wird von einem Professor als Berufstitel gesprochen oder auch von einer Professur ohne universitäre Berufstätigkeit. Der Grund hierfür ist darin zu sehen, dass die Professur nicht innerhalb der Sphäre der Hochschulen erlangt wurde, sondern außerhalb dieser in der Berufswelt der betreffenden Person. In Österreich beispielsweise werden solche Titel durch den Bundespräsidenten verliehen für Verdienste aus dem künstlerischen oder dem kulturellen Bereich. Weiterhin können auf Veranlassung von Kaiser Franz Joseph I. aus dem Jahr 1866 auch Lehrer an den allgemeinen und berufsbildenden Schulen eine solche Berufsbezeichnung erlangen. Weitverbreitet ist diese Praxis deshalb auch an Kunsthochschulen, die den Professoren-Titel beispielsweise an berühmte Künstlerpersönlichkeiten vergeben können, die in den Lehrbetrieb der Hochschule integriert werden sollen und in ihrer künstlerischen Praxis besondere Fähigkeiten erworben haben.

Die oben erläuterten Regelungen machen es damit überflüssig, dass vor der Professur der Grad eines Doktors erreicht wird. In Deutschland haben im Jahr 2008 25.190 Personen eine solche Promotion erlangt und hatten damit einen Anteil von ca. 8 Prozent an den 309.364 Hochschulabsolventen in diesem Jahr. Die Promotion macht es erforderlich, dass die zu promovierende Person eine Dissertation vorlegt in schriftlicher Form und diese mündlich vor Vertretern der Hochschule zu verteidigen hat. Bei der Professur, die ohne eine solche vorherige Promotion auskommt, ist dieser Qualifikationsschritt nicht notwendig.

von Ingo Wagner
Gestellte Fragen: 0

Fragen zum Beitrag: “Wann eine Professur ohne Promotion möglich ist”

 

Kommentare

Bisherige Kommentare: 0

Verwandte Artikel

18.05.2011

Ein Diplom kaufen ohne zu studieren – kein Problem

Meistgelesen in dieser Rubrik

Meistgelesen
Empfehlungen