Französische Lieder: Der Chanson ist ein Symbol Frankreichs
Wohl keine Liedgattung aus Frankreich ist in der ganzen Welt so bekannt geworden, wie der Chanson. Er wird besonders durch seinen Sänger und die ihn begleitenden Instrumente gekennzeichnet.

Bereits in der Zeit des Fränkischen Reiches wurden Kriegslieder gesungen, die dem heutigen Chanson durchaus ziemlich nahe kamen. Verschiedene ähnlich gehaltene Volkslieder und Chorgesänge sollen bis in die vorchristliche Zeit Frankreichs zurückreichen. Musikwissenschaftler datieren einen Beginn der französischen Kultur des Chansons ins Hochmittelalter. Damals etablierten sich erste französische Unterhaltungslieder, die in Handschriften überliefert sind. Das höfische Kunstlied hatte dabei eine große Bedeutung, es entstand ungefähr in der Zeit der Kreuzzüge. Damals zogen die sogenannten Trobadure durch das Land, sie kamen in vielen Fällen aus dem ritterlichen Stand.
Wichtige Ideengeber für die Gestaltung der Chansons waren vor allem zwei Dichter der Renaissancezeit, die im 15. Jahrhundert lebten. François Rabelais und François Villon waren bis in das 20. Jahrhundert wichtige Quellen der Inspiration für neue Kompositionen und Dichtungen des Genres. Sie sind in der französischen Musikwissenschaft ein gängiger Begriff. Das Chanson, so wie es heute bekannt ist, wurde dann vor allem im 16. Jahrhundert geformt und war während des 18. Jahrhunderts ein wesentlicher Bestandteil der so genannten Opéra-Comique. In diesem Jahrhundert wurde es im Rahmen informeller Zusammenkünfte unter Intellektuellen sehr populär. Gelehrte, Literaten und Künstler nahmen sich seiner an. Gesellschaftskritik, Satire und Poesie wurden zunehmend in den Inhalt eingewoben und sind bis darin heute integriert.
Die Zeit zwischen 1890 und 1960 wird in der Musikwissenschaft als die klassische Ära des französischen Chansons gesehen. Es hatte eine internationale Ausstrahlung bekommen und war zum Schlager und Kabarettlied geworden. Cafés und Varietés erlangten als Aufführungsorte eine immer größere Bedeutung. Die Theater hatten ihr Monopol als öffentliche Auftrittsorte mittlerweile verloren. Die sogenannten Cafés Chantants entstanden als Anziehungspunkt für ein kleinbürgerliches Publikum. Zahlreiche Varietétheater kamen hinzu. Um 1900 entstand dann eine Chansonart, die stark vom literarischen Realismus geprägt wurde: Chanson réaliste. Er wurde besonders im Montmartre, einem Pariser Stadtteil aufgeführt und ist dort tief verwurzelt. Thema war die Lebenswelt derer, die am Rande der damaligen Gesellschaft standen. Das waren Schläger, Zuhälter, Prostituierte, Stricher, Waise und Kellnerinnen. Diese Inhalte fesselten das Publikum und kritisierten zudem soziale Brennpunkte. Diese kamen so nachhaltig in das Bewusstsein der breiten Öffentlichkeit.


Kommentare