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Henneberg-Porzellan: Schlichte Eleganz aus Thüringen

Die traditionellen Thüringer Porzellanmanufakturen haben in der Vergangenheit halb Deutschland mit Haushaltsporzellan versorgt. Heute wissen nur Porzellankenner, dass Schätze wie das Henneberg-Porzellan aus dem Thüringer Wald stammen.

Schon im 18. Jahrhundert hatte Thüringen das „Weiße Gold“ entdeckt. Die Bedingungen im Thüringer Wald waren ideal für eine Vielzahl von Porzellanmanufakturen. Heute kann man auf der „Thüringer Porzellanstraße“ auf den Spuren dieser reichen Tradition viele Entdeckungen machen. So auch die Neue Porzellanfabrik Ilmenau, die die Tradition der alte Graf Henneberg-Porzellanmanufaktur fortführt.

Unter Kennern hatte das Porzellan aus Ilmenau immer einen guten Ruf. Es war nicht so bekannt und auch nicht so verbreitet, wie die großen anderen Porzellanmarken. Die Marke aus der kleinen thüringischen Stadt gehört allerdings zu den Verlierern der deutschen Geschichte. Als Geschirr, das in der DDR produziert wurde, hatte es gegen die Konkurrenz aus dem Westen keine Chancen. Darüber hinaus war es unter den Bedingungen der DDR-Planwirtschaft auch vor allem für die Versorgung der DDR-Bevölkerung mit Haushaltsporzellan zuständig. Nach der Wiedervereinigung gingen die Ilmenauer Manufaktur und die anderen Porzellanfabriken aus Südthüringen, die als Kombinat zusammengeschlossen waren, an die Treuhand. Nicht ganz geklärte politische Einflussnahme hat fast zum Ende der Porzellanherstellung aus Thüringen geführt. Beherzte Mitarbeiter haben 2002 ihre alten Fabrik übernommen.

Seit der Neugründung wird nun unter dem Namen HERO-Design das „Graf von Henneberg Porzellan“ vertrieben. Beim Werksverkauf in Ilmenau ist es auch noch möglich, aus alten Beständen etwas zu erwerben. Besonders Haushaltsporzellan ohne Dekor kann man hier günstig kaufen.

Durch die große Fachkenntnis, die hier seit dem 18. Jahrhundert weitergegeben wird, ist Ilmenau weiterhin ein besonderer Standort für die Porzellanherstellung. Auch für das Design gibt es eine eigene Tradition, die mit großen Namen wie z.B. Karl Kemedinger aufwarten kann.

Der Verlust wäre groß gewesen, wenn die ehemaligen Mitarbeiter nicht die Tradition ihrer alten Fabrik gerettet hätten. So ist es weiterhin möglich, Porzellan aus Ilmenau zu erwerben. Die Produktpalette ist inzwischen modernisiert. Neben klassischem Haushaltsporzellan wird auch Geschirr für die Gastronomie und den Hotelbedarf hergestellt. Beides besticht durch die klaren und schlichten Formen. Sie haben etwas Zeitloses. Dabei sind sie trotzdem nicht altmodisch, sondern zeichnen sich durch unaufgeregte Qualität aus.

Die besondere Designtradition lebt vor allem bei Dekorationsartikeln für die Weihnachtszeit, Vasen oder Schreibsets oder in Figuren von Victor Colani fort.

von Reinhard Vogt
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