Ein nostalgischer Waschtisch als Blickfang im Schlafzimmer
Als fließendes Wasser in der Wohnung noch nicht üblich war, wusch man sich am Waschti... mehr

Letzten Monat war es dann soweit, uns stand das Wasser bis zum Hals, nein, nicht wegen der Flut, das war eher sinnbildlich gesprochen: wir hatten kein Geld mehr, kaum noch genug zum Leben wir hatten beide unseren Job verloren und der Hausverkauf stand an. Es war ziemlich schwer den Entschluss zu fassen, aber es musste nun mal sein und früher oder später wäre es ohnehin soweit gekommen, oder eben nicht, mit etwas Glück vielleicht nicht. Ein gutes Argument, sowohl für als auch gegen den Hausverkauf, waren die Kinder. Die sind nämlich schon vor ein paar Jahren ausgezogen, da braucht man nun mal nicht mehr soviel Platz. Uns kann es auch in einer schönen Mietwohnung gut gehen, haben wir uns gesagt, aber auf der anderen Seiten, haben wir uns auch immer gewünscht, dass die Kinder irgendwann einmal mit den Enkeln, die zwar noch nicht da sind, aber hoffentlich bald kommen, hier einziehen.

Da hat man nun sein halbes Leben lang, nicht nur Unmengen von Geld, sonder auch noch einmal doppelt so viel Liebe, Schweiß, Kraft, Engagement und Zeit in dieses alte Haus gesteckt, und dann kauft es Irgendjemand, Jemand, dem es finanziell zufällig besser geht als uns. Ist das nicht ein wenig ungerecht, wir haben dieses Haus praktisch aufgebaut, als wir es damals, ein paar Jahre vor der Wende, für zugegeben wenig Geld, gekauft haben, sah alles ganz furchtbar und zerfallen aus. Niemand hätte freiwillig in so einem Haus wohnen wollen, aber wir haben alles wieder hergerichtet. Wir haben den Keller trockengelegt, eine vernünftige Heizung einbauen lassen, die furchtbare Tapete entfernt und alles weiß gestrichen, wir haben auch das Bad neu gemacht und die Treppe, die jeden Moment hätte zusammen stürzen können. Vor drei Jahren haben wir sogar den Keller und den Dachboden ausgebaut und wohnlich gemacht. Sie können sich nicht vorstellen, was das für eine Arbeit war, mit dem ganzen Dreck und dem Schutt und so weiter.
Jetzt ist bald alles gemacht und fertig, haben wir gedacht, aber jeder weis ja an so einem Haus findet sich immer noch was. Selbst wenn wir weiterhin darin wohnen uns arbeiten könnten, es würde wohl nie ganz fertig werden.
Besonders schwer fällt es mir einen Käufer zu finden, jetzt nicht, weil keiner kaufen will, so ist es nicht, es ist nur so, dass die Familie, die da einzieht mir auch irgendwie sympathisch sein sollte. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass hier Irgendwer wohnt. So ein Haus ist eben wie ein guter alter Freund, ich habe viele Jahre mit ihm verbracht mich darum gekümmert, es gepflegt und instandgehalten Es ist wirklich nicht einfach, aber auf der anderen Seite bin ich auch ein bisschen froh über den Hausverkauf, denn er gibt mir die Möglichkeit ein neues Leben zu beginnen, in einer anderen Gegend, mit anderen Nachbarn, anderen Straßenbahnlinien, Parks und Kneipen und Läden. Man muss die Sache eben positiv sehen. Alles im Leben hat seinen Sinn, auch wenn der sich nicht immer gleich erschließt.
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Kommentare
Jutta [Gast]
Das kann ich gut Nachvollziehen. Mir ging es vor 2 Jahren ähnlich, habe damals auch verkaufen müssen.
Und es viel mehr sehr schwer, am schlimmsten war nachher die Schlüsselübergabe mit dem Hintergrund man wird das Haus wohl nie wieder betreten.