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Dirk Niemeier

Hausaufgaben-Seiten im Wandel

Das Angebot vieler Hausaufgabenseiten war bis 2005 noch einseitig: die schnelle Musterlösung sollte gute Noten regnen lassen. Heute stehen den alten Hausaufgabenseiten smartere Angebote gegenüber.

Hausaufgabenseiten werden von manch einem Lehrer und ebenso vieler Eltern als ein grundlegendes Übel bei nicht gemachten bzw. kopierten Hausaufgaben betrachtet. Selbst einige Schüler haben so ihre ganz eigenen Erfahrungen mit der schnell zusammengeklickten Hausaufgabe gemacht. Nicht ganz zu Unrecht, denn schließlich waren einige wenige aber dafür sehr präsente Betreiber solcher Seiten bis Mitte dieses Jahrzehnts dafür bekannt, den noch unbedarften und manchmal naiven Schülern einen kostenpflichtigen Dialer unterzuschieben. Die Rechnung folgte auf den Fuße. Der Gesetzgeber hat nachgebessert, Dialer sind bei deutschsprachigen Seiten heute kaum noch ein Problem und auch die zunehmende Verfügbarkeit von breitbandigen DSL-Anschlüssen haben die klassischen Dialer für Analog-Modems wirkungslos werden lassen. Betroffene Betreiber solcher Dialer-Seiten mussten dicht machen oder ihr Angebot umstellen.


Heute sind viele Hausaufgabenseiten quasi-kostenlos, d.h. die Inhalte sind spätestens nach einer Registrierung kostenlos für den Schüler herunterladbar. Die Finanzierung erfolgt über Werbung.


Der heutige Rummel um Hausaufgaben-Seiten bezieht sich eher auf den Kern der Sache. Solche Seiten förderten Faulheit, das Unrechtsbewusstsein im Zusammenhang mit dem Urheberrecht und Plagiarismus und sie Ersetzen das eigene Denken. Tatsächlich sind einige dieser Vorwürfe nicht ganz von der Hand zu weisen. Einige Hausaufgabenseiten zielen geradezu auf die Lustlosigkeit der Schüler ab, wenn es um das Anfertigen der eigenen Hausaufgabe geht. Es wird gelockt mit der perfekten und dazu kostenlosen Hausarbeit. Die gute Note soll man damit schnell sicher haben und wer seine Hausaufgaben noch selbst macht, gilt als uncool und von vorgestern.


Die Realität ist jedoch, dass die Qualität der Hausaufgaben-Seiten recht durchwachsen ist. Zwischen vielen schlechten und mittelmäßigen Hausaufgaben, die nur selten von den besten Schülern einer Klasse stammen, muss man sich die Perlen schon heraussuchen. Eine richtige Qualitätskontrolle findet nur selten statt. Kein Wunder, dass die Qualität manchmal zu kurz kommt, denn jede Hausaufgabe bedeutet für den Betreiber höhere Werbeeinnahmen und die Qualität der Hausarbeit kann der Schüler meist kaum selbst bewerten, denn sonst würde der Schüler die Hausaufgabe schließlich selbst machen. Das breite Angebot von verschiedensten Unterrichtsfächern einiger Betreiber trägt zwar ebenfalls dazu bei, dass sich die Anzahl der Hausaufgaben künstlich erhöht und die Werbeeinnahmen steigen, aber auch dass der jeweilige Fachbereich ohne ein richtiges Expertenteam zu einem Wildwuchs von unsortierten Beiträgen wird. Bei einem solch bunt gestrickten Obstsalat muss sich jeder hilfesuchende Schüler erstmal zurechtfinden und aufpassen, dass er oder sie nicht in ein Fettnäppchen tritt.


Der Lernerfolg solcher Seiten steht dabei schon aus Gründen der Gewinnorientierung nicht immer im Mittelpunkt.


Einige der Hausarbeiten-Archive stellen peu a peu ihre Angebote um und bauen stärker auf den Aspekt des Lernerfolgs um. In zusätzlichen Foren können Schüler die Hausaufgaben bewerten und besprechen oder Suchanfragen an andere stellen. Zudem gibt es Websites wie http://lyrik.antikoerperchen.de die zwar keine Hausaufgabenseiten im eigentlichen Sinne sind, sich aber durch die Spezialisierung auf ein Thema, wie Gedicht-Interpretationen, als Hausaufgabenhilfe für den Deutschunterricht anbieten. Durch die fachliche Ausrichtung einer solchen (kostenlosen) Seite kann besser gewährleistet werden, dass der Betreiber nicht jeden Beitrag ungeachtet seiner Qualität durchwinkt. Dabei werden auf der genannten Lyrik-Datenbank nicht nur Beispiele für eine schriftliche Gedichtanalyse gegeben, sondern es werden auch zusätzliche Informationen zur Biografie des Autoren, der Epoche und weitere nützliche Hinweise, Notizen und Links zum Gedicht hinterlegt. Alle wichtigen Informationen für die eigene Hausaufgabe sind schnell auf einen Blick verfügbar, der Schüler bekommt ein Werkzeug für die eigene Hausaufgabe. Aber auch die Lehrer, die Hausaufgabenseiten früher noch durchweg dämonisierten, sind heute verstärkt auf der Suche nach intelligenten Angeboten aus dem Internet, um sie im Unterricht nutzen zu können.


Die konventionellen Hausaufgabenseiten, die lediglich ein Archiv von Musterlösungen für die Hausaufgaben anbieten, werden es in Zukunft schwerer haben. Eine nachziehende Lehrer- und Elterngeneration, die mit dem Internet besser vertraut ist und die Software-Industrie, die den Bedarf an Werkzeugen zur Auffindung von kopierten Hausaufgaben erkannt hat, werden derlei Angeboten Steine in den Weg werfen. Die zunehmende Ächtung von Plagiaten wird auch die Schüler stärker von solch vorkonfektionierten Hausaufgaben zurückschrecken lassen.

 
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Dirk Niemeier  18.02.2008
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