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Entstehung der Pressefotografie

Die Bezeichnung „Photographie“ ist eine Zusammensetzung aus den griechischen Worten “phos“ (Licht) und „graphein“ (schreiben) und bedeutet wörtlich übersetzt so viel wie „mit Licht schreiben“. Der französische Physiker Joseph Nicephore Niepce versuchte erstmals wohl schon 1816, dauerhafte Fotos herzustellen. Zu Lebzeiten suchte sich Niepce einen Geschäftspartner und tat sich mit einem Unternehmer namens Louis Daguerre zusammen. Als Niepce 1833 starb, konnte Daguerre auf seinen Methoden aufbauen und erzielte in den Jahren danach bedeutende Fortschritte. Als Daguerres Erfindung, die Daguerreotypie, 1839 der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, war die Reaktion überwältigend. „Vielleicht hat keine andere Erfindung die Phantasie des Publikums so erregt und die Welt so rasch erobert wie die Daguerretypie.“ Von nun an war es möglich mit fotografischen Apparaturen die Flüchtigkeit des menschlichen Blicks zu fixieren. So wurde die Fotografie als „neues Fenster der Seele“ oder auch als „magisches Spiegelbild des Lebens“ umschrieben.

Die neue Erfindung wurde allerdings nicht überall begrüßt. 1856 verbot der König von Neapel die Fotografie, möglicherweise weil man dachte, sie würde irgendwie  mit dem „bösen Blick“ zusammenhängen. An Fotoaufnahmen wurde sogar ihr gnadenloser Realismus kritisiert, der lieb gewonnene Illusionen von Schönheit und Jugend angeblich zunichte mache. Von Anbeginn wurden ästhetische Kriterien der Fotografie in den Vordergrund gestellt, so dass theoretische Abhandlung im  19. Jahrhundert sich vornehmlich mit ihrer Legitimation als Kunst beschäftigen und es heute nur wenige Ansätze für eine systematische Theorie der Fotografie als Einzelmedium gibt. Angehörige der ersten Fotografen-Generation richteten sich streng am wissenschaftlichen Ideal der Korrektheit und den Gesetzmäßigkeiten des Mediums aus.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich neben der Kunstfotografie die Dokumentarfotografie. Der in die USA emigrierte Däne, Jakob August Riis, erkannte schon früh, welche Möglichkeiten die Fotografie bot. Als Sozialreformer benutzte er das Medium als Hilfsmittel, Armut und Leid ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken, indem er die elenden Lebensverhältnisse der Einwanderer fotografisch festhielt. Die Bilder der New Yorker Slums trugen einen wesentlichen Teil dazu bei, Präsident Theodore Roosevelt nach seinem Einzug in das Weiße Haus dazu zu bewegen, verschiedene Sozialreformen in Angriff zu nehmen.

 

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde die Fotografie letztendlich als „Baustein für die Medien“ begriffen. Infolge neuer drucktechnischer Verfahren (Kupfertiefdruck) war es möglich geworden, fotomechanische Reproduktionen massenhaft zu verbreiten. Außerdem wurden die Fotografen durch kleinere, handlichere Kameras flexibler.

 

Erich Salamon erfand Mitte der zwanziger Jahre die Berufsbezeichnung des Bildjournalisten. Als Sohn eines reichen Bankiers schloss er das Jurastudium mit der Doktorprüfung ab, beherrschte mehrere Sprachen und bewegte sich mit selbstverständlicher Sicherheit auf gesellschaftlichem Parkett. Als Mitarbeiter der Werbeabteilung des Ullstein Verlages stieß sein Interesse erstmals auf die Möglichkeiten der Fotografie. Er legte sich eine Ermanox- Kamera zu, mit der es möglich war, Momentaufnahmen auch bei schwachem Licht in Innenräumen ohne Stativ und Blitzlicht zu fotografieren.

Ab 1930 machte es ihm die legendäre Leica noch leichter, unauffällig und gegebenenfalls ohne Genehmigung bei Gerichtsverhandlungen, im Gebäude des Völkerbundes oder im Reichstagsgebäude in Berlin und auf eleganten Empfängen zu fotografieren. Nachdem seine  Gerichtsreportage 1928 großes Aufsehen erregte, löste er sich vom Verlag, um als unabhängiger Fotoreporter zu arbeiten. Er perfektionierte seine Technik und entwickelte Zubehör um seine Kameras noch besser zu verbergen (manipuliertes Hörgerät, großer, schwarzer Verband für einen scheinbar gebrochenen Arm, Diplomatenköfferchen). Salomon erschien auf den entsprechenden Veranstaltungen sorgfältig gekleidet, meist im Frack, und wirkte wie ein dazugehöriger Teilnehmer. Seine persönlichen Kontakte erleichterten ihm den Zugang und ermöglichten ihm das private, menschliche hinter den Fassaden der Ereignisse abzulichten. So entwickelte Salomon seinen eigenen, typischen Stil der Fotoreportage, der damals revolutionär war und die Pressefotografie nachhaltig beeinflusste.

 

Mit Beginn der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland, war Erich Salomon, der jüdischer Herkunft war, gezwungen 1933 nach Holland zu fliehen. Die Arbeitsbedingungen für Journalisten wurden vom damaligen Regime stark eingeschränkt. Durch Gesetze, die eine Pflichtmitgliedschaft in der Reichkulturkammer vorschrieben und der Gleichschaltung aller Zeitschriftenredaktionen lag die vollständige Kontrolle über den Fotografie- und Pressemarkt binnen weniger Jahre in Händen der Regierung.

Das Dritte Reich nutzte den Photojournalismus für effiziente Werbung. „In Publikationen wie Berliner Illustrierte Zeitung und Münchener Illustrierte Presse wurde der Öffentlichkeit die Schlagkraft der Wehrmacht eindrücklich vor Augen geführt“ (Manchester 1989). Doch die Dokumentaraufnahmen waren es auch, die die Menschen über Hitler und den Faschismus ins Bild setzten.

Bei Ausbruch des Zweiten Weltkriegs war die Technologie so weit fortgeschritten, dass professionelle Kameraleute alles hatten, was sie brauchten; gleichzeitig war die Verbreitung der Massenpublikationen, in denen ihre Arbeiten erschienen, sprunghaft angestiegen.

Der Fotojournalismus hatte sich als legitime und geschätzte Form der Berichterstattung etabliert, nicht zuletzt durch Magazine wie Life, die die Fotografie zum Mittelpunkt ihrer Hefte machten.

 
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  29.11.2006
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