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Das Thalia Theater - Spielstätte im Wandel der Zeit

Hamlets Vatermord oder Kafkas Prozess: Das Hamburger Theater offeriert Kulturliebhabern ein buntes Programm aus Unterhaltung und Gesellschaftskritik. Früher eher bürgerlich-traditionell, ist das etablierte Haus heute ein Spiegelbild der modernen Gesellschaft

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© Carlos Santa Maria - Fotolia.com
Ob Shakespeare, Ibsen oder Jelinek: Das Thalia Theater an der Hamburger Binnenalster bietet ein vielfältiges Programm aus Komödie, Drama, politischen und gesellschaftskritischen Stücken. Neuinszenierungen von Klassikern verleihen dem etablierten Haus einen traditionellen Charme, während Gastspiele und interkulturelle Projekte frischen Wind in den Theatersaal bringen.

Als das Thalia Theater am 9. November 1843 das Licht der Welt erblickt, verbietet die Freie und Hansestadt Hamburg seinem Gründer Cheri Maurice ernste Stücke zu spielen. Die Begründung: Die neue Spielstätte soll dem Stadttheater an der Dammtorstraße keine unmittelbare Konkurrenz machen. So erhält das Theater passend zum Spielplan seinen Namen nach der griechischen Muse der Komödiendichtung, “Thalia”. Auf Grund des immensen Erfolgs wird im Jahre 1912 vom Regisseur Leopold Jeßner eine größere Spielstätte am Pferdemarkt, der gegenwärtig die Bezeichnung Gerhart-Hauptmann-Platz trägt, in unmittelbarer Nähe zur Binnenalster und zum Stadtzentrum eröffnet. Dieser Standort am Alstertor ist dem bürgerlichen Theater bis heute erhalten geblieben.

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Nach großen architektonischen Verlusten und weitgehender Zerstörung zum Ende des Zweiten Weltkrieges muss die Spielstätte in den fünfziger Jahren komplett restauriert werden. Am 3. Dezember 1960 feiert das Haus seine erfolgreiche Wiedereröffnung mit dem Stück “Die heilige Johanna”.

Im Jahre 1969 wird Boy Gobert Intendant des Thalia und vollzieht den ersten, revolutionären Wandel: Mit der Öffnung zum zeitgenössischen Regietheater, finden Stücke der Regisseure Peter Zadek, Hans Neuenfels und Jürgen Flimm Einzug ins Haus. 1972 wird die zweite Spielstätte “TiK - Thalia in der Kunsthalle” eingeweiht. Hier erhalten vor allem junge Autoren eine Chance, ihre Erstaufführungen dem Publikum zu präsentieren sowie experimentelles Theater vorzuführen.

Unter seinem neuen Intendanten Jürgen Flimm wandelt sich das bürgerliche Haus ab 1985 zum modernen Publikumsmagneten. Regisseure wie Alexander Lang und Jürgen Gosch gestalten ein innovatives Programm am Hamburger Theater. Dieses wird in Folge mehrmals zum “Berliner Theatertreffen” eingeladen und zum Theater des Jahres gekührt. Die Wahl zum wirtschaftlich erfolgreichsten Sprechtheater Deutschlands verschafft dem Haus einen gewaltigen Imageschub.

2000 wird Ulrich Khuon Leiter der renommierten Spielstätte und kann durch die Eröffnung des “Thalia in der Gaußstraße” und eine verstärkte Präsenz bekannter Regisseure wie Stephan Kimmig und Michael Thalheimer den wirtschaftlichen Erfolg halten. Das Haus setzt fortwährend auf Uraufführungen. Die erste Stunde der “Autorentheatertage” und die der “Jungen Regie”, in der aufstrebende Regietalente in Kooperation mit der Körber Stiftung ihre Arbeit präsentieren können, hat geschlagen.

Seit 2009 ist Joachim Lux neuer Intendant des Thalia Theaters. Seine Strategie umfasst die Öffnung des Hauses zum kulturellen und gesellschaftlichen Dialog. Der Fokus liegt auf Stücken, die eine Verständigung zwischen unterschiedlichen Schichten, Kulturen und Religionen verstärken. “Die Gesellschaft im Wandel” soll Einzug in die Hamburger Theaterwelt erhalten.

Das Thalia Theater umfasst als eines der drei Hamburger Staatstheater neben dem Deutschen Schauspielhaus rund 1000 Plätze auf einer großen Bühne und verfügt über ein festes Ensemble, das 20 Produktionen, u.a. “Othello”, “Peer Gynt” und “Werther!”, im Repertoire hat. Diese werden täglich wechselnd oder in Blöcken gespielt. Zu den Darstellern zählen bekannte Schauspieler wie Christoph Bantzer, Hans Kremer und Karin Neunhäuser. Rund neun Premieren finden jährlich statt.

Karten gibt es bereits ab sechs Euro. Für Studenten werden dauerhafte Vergünstigungen sowie jährlich unter dem Titel “ThaliaCampus” zahlreiche Einblicke in Geschäft und Produktionen angeboten. 14 Tage lang haben Hochschulbesucher hier die Möglichkeit, aktuelle Stücke mit Einführungen günstig zu besuchen sowie in Workshops selbst kreativ zu werden. Für Theaterfreunde hat das Thalia Theater verschiedene Wahl- und Fest-Abos pro Spielsaison in petto.

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